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Destination Star Trek 2018 / Dortmund

Die letzte Reise einer Generation beginnt – so heißt es bei Star Trek Nemesis. Ich weiß nicht warum, aber der Spruch erscheint mir passend zum Stand der Dinge im Star-Trek-Universum. Die Besucher der „Destination Star Trek“ sind überwiegend älteren Semesters, so erscheint es mir zumindest. Graue Haare, Bauchansatz, Rucksack und leuchtende Augen. Als würden sie in einer Welt herumlaufen, die sie nicht nur in die eigene Jugend zurückführt, sondern auch an einen Ort, wo eben dieses Alter, die kahlen Stellen am Hinterkopf, die paar Kilos zu viel auf den Hüften und der Verlust des jugendlichen Aussehens keine Rolle spielen. Hier ist man Nerd, hier darf man sein.

Ich nehme mich da nicht aus. Ich liebe Spock, Data und vor allen Dingen Captain Picard. Gene Roddenberry hat damals, als er Star Trek erdachte, eine Welt erschaffen, die mir ein lieber Zufluchtsort ist. Es gab eine Zeit, da dachte ich sogar, dass all diese ganzen Figuren aus Star Trek beinahe eine Familie sind – eine Familie, die nicht altert, nicht erkrankt, einfach immer da ist, auch wenn ich 100 Jahre alt bin und alle meine „echten“ Freunde schon lange tot sind. Star Trek bleibt. B’Elanna Torres, die mir von allen Charakteren im Star Trek Universum am ähnlichsten ist, auch wenn ich lieber Spock wäre, bleibt immer zerrissen, rebellisch und macht Verletzungen mit sich selber aus. Captain Picard wird immer reflektieren, philosophieren und zwischen seiner Pflicht für die Enterprise und seiner Leidenschaft, der Archäologie, hin und her gerissen sein und letztlich die richtigen Entscheidungen für alle treffen. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Bei Star Trek kann man noch träumen, dass die Menschheit irgendwann zur Vernunft kommt, dass Völker miteinander auskommen, auch wenn sie noch so unterschiedlich sind, dass Kultur respektiert wird und dass man erst versucht, friedliche Lösungen zu finden, bevor man sich blind über den Haufen schießt. Und Walter Koenig ist übrigens auch der Meinung, dass man bloß aufpassen sollte, dass bei den ganzen jüngsten kläglichen Serienversuchen im Star-Trek-Universum der ursprüngliche Gedanke nicht Geballer und Effekten weichen muss. Das hat er nämlich auf der Bühne gesagt – okay, das mit den „kläglichen Versuchen“ hab ich dazu erfunden. Aber von vorne:

Unendliche Weiten und mysteriöse Plakate

Man stelle sich eine riesengroße Halle vor, etwa so wie Frachtraum 4 der Enterprise – nein, nicht dass die Trekkis mir hier mit Fachwissen aufs Dach steigen. Also einfach nur eine große Halle … wie die Westfalenhalle in Dortmund. Viele kleine Verkaufsstände, hier und da kleine Ausstellungsräume und an der hinteren Wand sehr viele kleine Tische mit großen Postern darüber. Ich schlenderte also die Poster entlang, vorbei an den Bildern von Dr. Bashir, Jadzia Dax, Kennichnicht, Kennichnicht, DereineausDS9, IstdasnichtderBrudervonQuark, DerSohnvonCaptainSisko, Odo, Kira Nerys, Neelix, Tom Paris, Kennichnicht, Wiehießdernoch, Checkov und Uhura. Ende der Halle. Und als ich mich noch fragte, warum da Plakate hängen, senkte sich mein Blick zum Tisch darunter und ich stand DIREKT vor Walter Koenig und Nichelle Nichols. Ich kapierte, dass die Stars unter den Plakaten an den Tischen saßen, um Autogramme zu schreiben und ich war gerade an allen ohne Anstandsabstand vorbeigelatscht. Vor lauter Ehrfurcht stellte ich schnell einen Abstand von mehreren Metern her, schon alleine um den prüfenden Blicken des Aufsichtspersonals auszuweichen. Dann betrachtete ich Nichelle Nichols und Walter Koenig aus der Ferne – höchstwahrscheinlich mit offenem Mund und aufgerissenen Augen.

Da saß sie: Lieutenant Nyota Uhura – mit ihren 85 Jahren, schneeweißes Haar, erhabener Blick, stilvoll, freundlich. Oder Moment, das ist ja gar nicht Uhura, das ist Nichelle Nichols, man kommt da emotional und gedanklich schnell durcheinander und darf sich nicht verwirren lassen. Neben ihr Checkov – er wirkt alt, älter als sie, hat ein Käppi auf, reibt sich müde mit beiden Händen durchs Gesicht und schaut nach unten, als ob er versuche, sich im Tumult um ihn herum zu sammeln. Walter Koenig, der kleine Pavel Checkov aus der Originalserie sitzt hier als alter Mann.

Und irgendwo in der Halle läuft auch Captain Kirk herum. Keine Ahnung, warum mich das weniger fasziniert als angemessen wäre. Wahrscheinlich, weil um William Shatner immer so ein Hype veranstaltet wird – mit Extra-Absperrung und viel Tamtam. Das mag ich nicht so.

Der alberne Odo

Ich versuchte, heimlich Fotos aus der Ferne zu machen. Genau wie all die anderen Fans, die aber sofort von Aufpassern darauf hingewiesen wurden, dass Fotos nicht gestattet seien. Im Jahr 2018 mit Smartphones, die jedem Communicator weit überlegen sind, eine ziemlich doofe Ansage. Schnappschüsse aus der Ferne sind ja nun auch nicht mit den gestellten Fotos zu vergleichen, die man für teures Geld erwerben konnte.

Man konnte in der Nähe der Star-Tische ein bizarres Spiel beobachten. Fans warteten vermeintlich ganz in der Nähe auf ihre Freunde und beobachteten aus dem Augenwinkel jede Bewegung der Schauspieler. Andere stelleten sich so hin, dass sie – wie zufällig – beim Fotografieren ihrer Freunde und Partner auch Stars auf dem Bild hatten. Die Aufseher fuhren derweil wie die Irren – teils auf Segways – hin und her und versuchten, die Leute davon abzuhalten, genau das zu tun. Und die Stars? Die wussten genau, dass man sie fotografiert, oder sieht Nana Visitor (5.Person von vorne) hier so aus, als ahne sie nichts?

Alle Schauspieler waren jedenfalls im Profi-Modus, lächelten ihre „Besucher“ am Tisch, die Autogramme kauften, in Hollywood-Manier an und ignorierten fast allesamt ihre „Betreuer“, die sich neben ihnen langweilten. Was machen die eigentlich? Rennen die quer durch Dortmund, um einen besonderen Schokoriegel zu besorgen, wenn der Star es wünscht? Übersetzen die für Leute, die kein Englisch sprechen? Halten die den Stars die Handtasche, wenn sie sich die Schuhe zubinden müssen? Sind das Bodyguards? Ich bin nicht ganz hinter die Funktion gekommen, fand den Gedanken, einen Tag neben Brent Spiner zu verbringen oder neben Patrick Stewart aber so interessant, dass ich beinahe an einen Jobwechsel dachte.

Ich fand das Fotoverbot jedenfalls albern. Odo fand es wohl auch albern. René Auberjonois schäkerte fröhlich mit seinen Fans herum, ignorierte alle Schilder, auf denen erklärt wurde, dass die Stars nicht für Selfies zur Verfügung stehen, und malte seinen Autogrammjägern sogar noch eigenhändig Bilder. Später sahen wir, dass er jeden einzelnen Fan, der sich ein Autogramm geholt hat, fotografiert und auf seinem Twitter-Account veröffentlicht hat. Was für ein sympathischer und offenherziger Formwandler!

Es soll erwähnt sein, dass Terry Farrell mir des öfteren begegnete, auch in der Menschenmenge an den Ständen, und mich mehrmals neugierig anlächelte – warum auch immer. Ob sie vielleicht ahnte, dass ich mein Kind Jadzia nennen wollte? Er hatte Glück und ist ein Junge geworden, sonst hätte er jetzt einen Star-Trek-Namen und Trill-Flecken an den Seiten seines Körpers – vielleicht. Wenn Terry Farrell durch die Dortmunder Innenstadt laufen würde, würde sie vermutlich kaum jemand erkennen. Bei den „geschminkten“ Charakteren wie Neelix (Ethan Phillips) oder Ferengi Rom (Max Grodénchik) ist es noch unwahrscheinlicher, dass jemand in freier Wildbahn nach einem Autogramm fragt. Doch hier in der Halle, innerhalb der „Trekkie-Familie“ sind sie Helden, deren Unterschriften 30-50 Euro kosten, und sie erzählen aufgeregten Fans von Dreharbeiten, die 20, 30, 40 Jahre zurückliegen. Ich wüsste nicht mehr, was ich vor 30 Jahren gemacht, gedacht, gefühlt habe. Die Schauspieler wahrscheinlich auch nicht. Aber in einer Welt, in der die Zeit stehengeblieben ist, muss man wenigstens so tun als ob.

In Geld gepresstes Autogrammium und aufgeregte Fragen

Faszinierend – um es  mit Spock auszudrücken – waren auch die Auktionen. Wie viel Geld manche Leute ausgeben, um ein Autogramm des verstorbenen Leonard Nimoy zu bekommen oder irgendeinen originales Star-Trek-Utensil, sei es auch noch so klein. Ein solcher Hardcore-Fan bin ich dann doch nicht, zumal ich nicht so auf Dinge stehe, sondern eher auf Erlebnisse. Ein solches Erlebnis war das Panel, das wir gebucht hatten. Die komplette Deep-Space-Nine-Crew auf der Bühne und ganz viele aufgeregte Fans im Publikum. Für alle, die nicht wissen, was ein Panel ist: Auf der Bühne sitzen die Stars. Es gibt ein Mikrofon und einen Moderator. Die Zuschauer dürfen den Stars Fragen stellen, in diesem Fall selbstverständlich auf Englisch. Meine Hochachtung für alle, die sich getraut haben. Leider war die Akustik nicht also gut. Die Musik von anderen Stationen in der Halle war sehr laut und ich konnte nicht alles verstehen, was die Schauspieler geantwortet haben. Macht auch nichts, denn ich war die ganze Zeit einfach nur fasziniert, dass sie da saßen – meine Stars aus dem Fernsehen – die Originale!

Wir sehen uns in Birmingham

Was macht man sonst noch so auf einer Star Trek Convention? Nun, wir haben viele quietschende Tribbles gesehen, Nerd Shirts gekauft und Fotos mit einer Andorianerin gemacht und vor bunten Star-Trek-Plakaten Selfies geschossen. Die Andorianerin war hübscher, aber darauf kommt es auf so einer Convention gar nicht an. Niemand schert sich darum, ob die Uniform schief sitzt oder der Kommunikator zum Tribble passt. Man befindet sich in einer Umgebung, in der man leidenschaftlich bekloppt sein darf. So bekloppt, dass man sich sogar Bademäntel im Star-Trek-Uniform-Stil kaufen möchte. Zum Glück waren die nicht aus Baumwolle, sonst hätten wir sie genommen. Dafür sind wir jetzt stolze Besitzer von schwarz-weißen Star-Trek-Jacken, die wir bei der nächsten Convention mit Stolz tragen werden – am liebsten in Birmingham am Ende des Jahres.

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